300 Euro zum Leben

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Wir haben den 7. Januar 2024 und mit 300 Euro muss ich noch bis zum Monatsende klar kommen. Eine interessante und gleichzeitig verrückte Idee einer Doku oder Reportage im Fernsehen. Hier jedoch leider bittere Realität. Im Moment bin ich wieder an einem Punkt einfach alles hinzuwerfen. Ich liege Samstag und Sonntag stundenlang im Bett und die Motivation irgendwas zu tun ist gegen 0. Was bringt das überhaupt?

Ich habe mir zu Beginn des Jahres eine Auflistung über meine Kosten und Einnahmen gemacht. Da musste ich feststellen, dass ich tatsächlich mehr Ausgaben habe, als es Einnahmen gibt. Durch einen kleinen Puffer aus dem Vormonat habe ich demnach für Januar noch 300 EUR nach allen Abzügen. Mein Monatsbudget liegt jedoch bei aktuell 500 EUR im Minus, Monat für Monat. Daher muss ich jetzt Entscheidungen treffen, die nicht angenehm sind, für Niemanden in dieser Lage.

Bereits im September habe ich Wohngeld beantragt. Das Landratsamt hat entschieden, dass 40 EUR ausreichend sind für einen vollberufstätigen Menschen. Mit einer Miete von rund 1000 EUR, Unterhaltsleistungen und zahlreichen Nebenkosten, die eine Wohnung und das Leben mit sich bringt und einem netto Verdienst von rund 2000 EUR … tut mir leid. Aber bei mir geht da die Rechnung nicht auf.

Bürgergeld

Macht Arbeiten für 300 Euro noch einen Sinn?

Ich möchte keineswegs die Schuld für meine Lage anderen Menschen oder dem Amt zuschieben, aber in Deutschland ist Arbeit meiner Meinung nach nicht mehr wirklich lohnenswert. Ich bin jeden Tag etwa 1 Stunde unterwegs zur Arbeit, mache Vollzeit jetzt wieder meine 39 Stunden im öffentlichen Dienst Woche für Woche und muss zusehen, dass ich mir nebenbei irgendetwas anspare für alle Fälle. Es kann jederzeit etwas kaputt gehen, das darf man auch nicht vergessen.

Im Gegenzug dazu bietet Deutschland das Bürgergeld an. Sozialleistungen für Menschen, die nicht arbeiten. Ich finde diese Leistungen vollkommen in Ordnung und nötig für Menschen, die nicht arbeiten können aufgrund von Gesundheit oder Familie. Ich sehe aber auch Menschen, die arbeiten könnten. Diese Menschen haben jeden Tag „Urlaub“ und bekommen dafür auch noch Geld. Arbeiter ackern teils 40 Stunden und mehr in der Pflege oder im Handwerk und müssen schauen, wie sie sich und ihre Familie über die Runden bekommen. Wie weit kommt jemand mit 300 Euro im Monat?

Da kann man mir sicher nicht vorwerfen, wenn ich mir Gedanken darüber mache, diesen Weg zumindest für einen kurzen Moment in Betracht zu ziehen. Es funktioniert ja. Man macht sich körperlich und seelisch nicht kaputt und kann ein einigermaßen bescheidenes Leben führen. Wo bleibt die Fairness? Wo bleibt die Anerkennung und der Respekt an Menschen, die arbeiten gehen? Sie bleibt aus. Besser noch – die Belastungen werden immer größer und so kann es doch nicht mehr weiter gehen.

Depri und Ausweglosigkeit

Alles muss verkauft werden, was nicht gebraucht wird

Am Ende muss man sich also von Dingen trennen, die man sich teilweise erarbeitet hat im Laufe der Zeit, um jetzt nicht noch weiter in ein Loch zu driften, aus dem man gerade einmal wieder den Kopf herausstrecken konnte. Meine Hüpfburgen werden verkauft, sie müssen wohl spottgünstig abgegeben werden, damit ich mein Lager kündigen kann, in dem sie lagern. Denn Platz in meiner Wohnung habe ich nicht.

Auf der Arbeit versuche ich nun höher eingruppiert zu werden, da ich so einfach nicht mehr sicherstellen kann, regelmäßig arbeiten zu kommen, aus Kostengründen. Zudem habe ich auch seit einiger Zeit mehr Aufgaben und Verantwortung, was mein Einstiegsgehalt auch nicht mehr wiederspiegelt. Das trifft nicht nur auf mich zu. Es geht einigen Leuten bei uns so. Mitten in einer Sanierung solche Forderungen zu stellen ist natürlich nicht zwingend klug, aber nötig. Irgendwann kommt die Politik vielleicht auch mal dahinter, dass Gesundheit und Pflege ein soziales Thema und kein wirtschaftlicher Part Deutschlands sein sollte. Irgendwann.

Nebenbei versuche ich nun an Stohhalmen zu arbeiten, die mir nebenbei etwas Geld einbringen könnten. Aber das sind mittel- bis langfristige Projekte, an denen ich arbeiten muss. Dafür brauch es Zeit und einen freien Kopf. Letzteres hingegen ist momentan eine Mangelware. Ich komme einfach nicht dazu Baustellen, die ich noch habe, abzuarbeiten. Stattdessen tun sich immer mehr Sachen auf, die es zu bewerkstelligen gilt. So sehr ich das Alleinsein genieße, alles hat auch seine Nachteile. 300 Euro diesen Monat. Mal sehen wie es nächsten Monat ausschaut.

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